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Überfall auf Geldtransporter in Stuhr - drei ehemalige Mitglieder der RAF verdächtig Keine Hinweise auf terroristischen Hintergrund

Presseinformation der Staatsanwaltschaft Verden (Aller) Nr. 02/16 vom 19.01.2016


Am Samstag, den 06.06.2015 gegen 14:20 Uhr überfielen drei Täter auf dem Gelände des Real Marktes in Stuhr- Groß Mackenstedt unter Einsatz von Waffen einen Geldtransporter. Die Täter flohen ohne Beute.

Nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen besteht der Verdacht, dass Ernst-Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette an der Tat beteiligt waren. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Verden hat das Amtsgericht Verden Haftbefehle gegen die drei Beschuldigten wegen des Verdachts des versuchten Mordes sowie des versuchten schweren Raubes und dem Haftgrund der Flucht erlassen.

Bereits seit Anfang der 90‘er Jahre ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen Ernst-Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette unter anderem wegen des Tatvorwurfs der Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF). Sie sollen unter anderem am 27. März 1993 einen Sprengstoffanschlag auf die Justizvollzugsanstalt Weiterstadt verübt haben. Zu diesen Tatvorwürfen erteilt die Pressestelle der Bundesanwaltschaft weitere Auskünfte.

Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund der Tat vom 06.06.2015 gibt es bislang nicht. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Tat allein der Finanzierung des Lebens im Untergrund dienen sollte.

Nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen stellt sich der Tathergang vom 06.06.2015 wie folgt dar:

Der schwarze Geldtransporter VW war zur Tatzeit mit zwei Insassen besetzt und hatte circa 1 Million € geladen. Als sich der Geldtransporter gerade in Bewegung gesetzt hatte, wurde er durch einen weißen VW Transporter T4 an der Abfahrt gehindert, der rückwärts vor den Geldtransporter gefahren wurde. Aus dem VW T4 stiegen zwei Personen aus, von denen der eine Täter mit einem Schnellfeuergewehr und der andere mit einer Panzerfaust bewaffnet war. Der erste Täter postierte sich an der Beifahrerseite des Geldtransporters. Der zweite Täter zielte mit der Panzerfaust in Höhe der Fahrerseite auf den Geldtransporter. Eine dritte, ebenfalls mit einem Gewehr bewaffnete Person kam vom Bereich des Parkplatzes hinzu und stellte einen mitgeführten Trolley neben der Fahrertür des Geldtransporters ab. Da das Mobilfunknetz im Bereich des Tatortes teilweise gestört war, ist es möglich, dass sich in diesem Koffer ein sog. Jammer befand. Ein Jammer ist geeignet, gängige Frequenzen zu stören. Der an der Beifahrerseite befindliche Täter forderte die Insassen des Geldtransporters auf, die Türen zu öffnen und das Geld herauszugeben. Nachdem dieser Aufforderung keine Folge geleistet werden konnte, weil das Sicherheitssystem des Geldtransporters die Türen blockiert hatte, gab dieser Täter insgesamt drei Schüsse auf das Fahrzeug ab. Teile der Geschosse drangen in die Fahrerkabine. Fahrer und Beifahrer blieben jedoch unverletzt.Alle drei Täter brachen daraufhin ihr Vorhaben ab und flüchten mit einem zuvor auf dem Parkplatz des Real Marktes abgestellten Ford Focus Kombi.

Die Täter waren maskiert. Auf der Bekleidung zumindest eines der Täter stand auf dem Rücken „POIZEI“ (Polizei ohne L).

Das Fluchtfahrzeug wurde am 17.06.2015 in einem Waldstück bei Groß Ippener gefunden. In dem Fahrzeug befand sich eine selbstgebaute Vorrichtung, wobei angenommen wird, dass damit das Fahrzeug in Brand gesetzt werden sollte, was jedoch scheiterte.

Die Ermittlungen der durch die Polizeiinspektion Diepholz eingerichteten Sonderkommission Real haben ergeben, dass das Fahrzeug Ford Focus Ende 2014 bei einem Autohändler in Oldenburg gekauft und am Silvesterabend 2014 abgeholt wurde. Aufgrund der in der Zwischenzeit erbrachten Kilometerleistung könnte sich das Fahrzeug in einem Umkreis von circa 600 km um Oldenburg herum bewegt haben. Bzgl. des weißen T4, welcher am Tatort zurückgelassen wurde, haben die Ermittlungen der SOKO Real ergeben, dass dieser zwischen Februar und März 2015 von einem weiteren Autohändler in Oldenburg erworben wurde. Der T4 könnte sich in einem Umkreis von circa 450 km um Oldenburg bewegt haben. In beiden Fahrzeugen konnte molekulargenetisches Spurenmaterial gesichert werden, welches den Beschuldigten Ernst-Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette zuzuordnen ist.

Hinweise, insbesondere zu den Gesuchten und der Frage, wo die beiden von den Tätern genutzten Fahrzeuge zwischen dem Kauf und der Tat evtl. gemeinsam abgestellt worden sein könnten, nimmt die Polizeiinspektion Diepholz unter 05441 9710 entgegen.

Das Geldtransportunternehmen hat eine Belohnung in Höhe von insgesamt 20.000 € für entscheidende Hinweise ausgesetzt, die zur Aufklärung der Tat und zu einer rechtskräftigen Verurteilung der Täter führen.

In der Anlage befinden sich Lichtbilder der genutzten Fahrzeuge sowie Phantomzeichnungen der Autokäufer, wobei es sich auch um dieselbe Person handeln könnte.

Weitere Informationen zu den Beschuldigten werden unter www.lka.polizei-nds.de unter dem Menüpunkt Fahndungen/ Personen zu finden sein.

Am 20.01.2016 wird dieser Fall in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ dargestellt.

Aktuell liegen neue DNA-Analyseergebnisse vor. Es besteht der Verdacht, dass die drei Beschuldigten auch an dem am 28.12.2015 in Wolfsburg begangenen Überfall auf einen Geldtransporter beteiligt waren. Nähere Auskünfte dazu erteilt die Pressestelle der Staatsanwaltschaft Braunschweig.

Ford Focus  
Ford Focus
VW T4  
VW T4
Phantombils 1  
Phantombild 1
Phantombild 2  
Phantombild 2
Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Frau Marie-Louise Tartz

Staatsanwaltschaft Verden
Stellvertretende Pressesprecherin
Johanniswall 8
27283 Verden
Tel: +49-4231-18-522
Fax: +49-4231-18-688

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